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40 Jahre auf dem Segelschulschiff "Wilhelm Pieck" / "Greif"
- sind eine lange Zeit im Leben eines Menschen.
Rückblickend sind sie aber dennoch schnell vergangen.
Helmut Stolle
Kapitän der Greif streicht die Segel
Helmut Stolle geht nach 40 Dienstjahren von Bord der Brigantine
Mittwoch, 22.03. 2000, 06:08:11 Uhr
Greifswald - Es war während der Hiorten-Regatta 1997 von Karlskrona nach Warnemünde. Kurze
Zeit nach dem Start drohte der Wind einzuschlafen. Während die 15 anderen Skipper einen
südlichen Kurs hielten, ging plötzlich die Brigantine Greif auf Gegenkurs. Ihr
Kapitän seit 27 Jahren ist Helmut Stolle. Er riecht den
Wind, sagt man anerkennend über diesen Mann, der an die 5000 jungen Menschen auf seinem Schiff
Seemannschaft, Segeleinmaleins und Selbstvertrauen für ihren späteren Seemannsberuf
beigebracht hat. Und tatsächlich, mit der letzten Mütze Wind kam die Greif bald
unter der schwedischen Küste außer Sicht. Anderntags lief sie als strahlender
Regattasieger über die Ziellinie vor Warnemünde. Helmut Stolle und seine Crew hatten den
Konkurrenten mal wieder ein Schnippchen geschlagen.
Ähnlich war es auch zur Hanse Sail 1994. Bei einer regelrechten Sturmfahrt zögerten einige Kapitäne teilzunehmen. Segler hatten es mit der rauhen See recht schwer. Doch Kapitän Stolle stürmte mit der schlanken Greif auf Kurs Kühlungsborn davon und zum Sieg. Man sagt von ihm, dass er die Ostsee wie seine Westentasche kennt und klug die schwierigen Windverhältnisse und den Strom ausnutzen kann.
Am 1. April 2000 will er die Kommandobrücke verlassen und in den Ruhestand gehen. Fast ein vierzigjähriges Berufsleben hat er an Bord dieses kleinen, aber feinen Segelschiffes verbracht.
Es muss schon Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, als 1960 der junge Stolle eine Koje im Mannschaftslogis der Wilhelm Pieck in Greifswald-Wieck in Beschlag nahm. Die Brigantine war 1951 der erste eiserne Nachkriegsbau in Ostdeutschland gewesen, der auf der Warnowwerft in Warnemünde gebaut wurde. Stolle blieb auf dem Schiff, wurde Maat, dann Bootsmann. Und hat sein Schiff und dessen Seele von Grund auf kennen gelernt. Als er nach dem Studium an der Seefahrtsschule Wustrow mit dem Steuermannspatent an Bord zurück kehrte, gab ihm das vor dem Mast erlernte Grundwissen die nötige Sicherheit und pädagogisches Geschick. Als Wachoffizier und schließlich ab 1973 als Kapitän durfte er das beliebte einzige Segelschiff der DDR führen.
Mit 31 Jahren galt er damals in der Reihe namhafter Vorgänger wie Ernst Weitendorf, Artur Friedrich, Gerhard Samuel, Horst Rickert und Karl-Heinz Schaefer als der jüngste Kapitän auf diesem Traditionssegler. Viele, die heute noch auf allen Meeren als Kapitäne und Schiffsoffiziere fahren, holten sich unter seinem Kommando auf dem Segelschulschiff ihre Seebeine. Helmut Stolle hat ihnen vorgelebt, wie man sich auf einem Traditionssegler Mut, Ausdauer, Selbstvertrauen, Geschicklichkeit und Kameradschaft aneignen kann.
Nach der Wende und der Entscheidung der Stadt Greifswald, das vom Verkauf bedrohte Schiff zu übernehmen, änderten sich auch für Helmut Stolle und die Stammbesatzung die Aufgaben. Nunmehr stand das Segelabenteuer von zahlreichen jungen Menschen im Vordergrund. Es kamen Charter und touristische Fahrten hinzu. Das Schiff musste Geld für die Erhaltung einfahren.
Trotzdem war die Greif bei allen Hanse Sails in Rostock dabei
für die Stolle sich mit seiner Persönlichkeit engagiert hat. Unvergessen bleibt das Bild
der ersten Windjammerparade vor Warnemünde im Sommer 1991: Die kleine Brigantine
Greif führte das große Feld der Windjammer als Flaggschiff an. Sie ist auch in
Kiel, Hamburg, Bremerhaven, St. Petersburg, Tallinn, Karlskrona und Gdansk ein gern gesehener Gast.
Mit diesem Bild, möchte
sich die Besatzung der "Greif" sowie die Crew an Land von Kapitän Helmut Stolle
verabschieden. Als Mitglied im Förderverein "Rahsegler Greif e.V."
werden wir weiterhin engen Kontakt zu Helmut Stolle halten und
© Copyright / Impressum
Quelle: Peter O.Walter , SY ESYS

uns sicher noch
so manchen guten Rat von Ihm holen.
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